Bordeauxdogge
Ruhiger Wächter mit weichem Kern
auch bekannt als Dogue, DDB, Dogue de Bordeaux
Zucht-Hinweis
Die Bordeauxdogge gehört zu den kurzköpfigen (brachyzephalen) Molossern: Der FCI-Standard verlangt einen ausgeprägten Stopp und einen deutlich verkürzten Fang, was die oberen Atemwege einengen und zu Schnarchen, Atemgeräuschen sowie eingeschränkter Hitzetoleranz führen kann. Die dicke, reichlich lose anliegende Haut mit tiefen Kopf- und Halsfalten (Wamme) begünstigt bei mangelnder Pflege Hautentzündungen. Hinzu kommen bei dieser Rasse dokumentierte Häufungen von Herzerkrankungen und Hüftgelenksdysplasie, die mit der massigen, molossoiden Statur in Zusammenhang gebracht werden. Interessierte sollten gezielt Zuchtstätten wählen, die auf offene Nasenlöcher, moderate Faltenbildung sowie Herz- und Hüftuntersuchungen der Elterntiere achten, oder eine Adoption über einen Rasseschutzverein bzw. ein Tierheim in Betracht ziehen. Der vom Standard geforderte deutlich verkürzte Fang engt die Atemwege bereits beim standardgerechten Tier ein, zusätzlich sind Kaiserschnittraten und Welpensterblichkeit erhöht.
Regionale Haltungsregeln
Prüfe vor der Anschaffung die Regeln an deinem Wohnort.
Steckbrief
- Größe
- groß (L), 58 bis 68 cm Schulterhöhe
- Gewicht
- typisch 45 bis 68 kg
- Lebenserwartung
- typisch 9 bis 12 JahreRichtwert für die Rasse, das einzelne Tier kann deutlich abweichen.
- Verfügbarkeit in Deutschland
- mit SucheStufe 3 von 5VDH-Welpenstatistik 2024: 70 Welpen
- Fell
- Kurzhaar
- Herkunft
- Frankreich
- Anerkennung
- FCI-Gruppe 2 (Pinscher, Schnauzer, Molosser), Standard Nr. 116
Charakter im Überblick
14 Werte aus unserer Redaktion, je 1 bis 5. Hohle Punkte heißen: Die Quellenlage ist dünner, der Wert bleibt eine vorsichtige Einschätzung.
- Energielevel
- sehr ruhig, geringe Energie (1 von 5)
- Bewegungsbedarf
- braucht regelmäßige Bewegung (3 von 5)
- Trainierbarkeit
- eigenständig, braucht viel Geduld (2 von 5)
- Alleinbleiben
- bleibt nur kurz gern allein (2 von 5)
- Bellfreude
- bellt selten (2 von 5, Tendenzwert)
- Pflegeaufwand
- mittlerer Pflegeaufwand (3 von 5)
- Haaren
- haart mäßig (3 von 5, Tendenzwert)
- Offenheit gegenüber Fremden
- zurückhaltend gegenüber Fremden (2 von 5)
- Verträglichkeit mit Hunden
- eingeschränkt verträglich mit anderen Hunden (2 von 5, Tendenzwert)
- Verträglichkeit mit Katzen
- meist verträglich mit Katzen (3 von 5, Tendenzwert)
- Familien-Eignung
- mit Einschränkungen familientauglich (3 von 5)
- Wach- und Schutztrieb
- sehr ausgeprägter Wach-/Schutztrieb (5 von 5)
- Jagdtrieb
- geringer Jagdtrieb (2 von 5, Tendenzwert)
- Anfänger-Eignung
- eher ungeeignet für Anfänger (1 von 5)
Der Charakter: Bordeauxdogge im Porträt
Haltung im Alltag: gut zu wissen
- Bewegungspensum von insgesamt etwa 1 bis 1,5 Stunden pro Tag in mehreren ruhigen Spaziergängen einplanen; wegen des schweren, gelenkbelastenden Körperbaus sind lange Sprünge, Treppenläufe und intensive Belastung besonders im Wachstum zu vermeiden.
- Als stark menschenbezogener Molosser verträgt die Bordeauxdogge längeres Alleinbleiben eher schlecht; mehr als drei bis vier Stunden am Stück ohne Bezugsperson sollten die Ausnahme bleiben.
- Das Kurzhaarfell ist pflegeleicht, aber Kopf- und Halsfalten (Wamme) sollten regelmäßig gereinigt und trockengehalten werden, um Hautentzündungen vorzubeugen; ausgeprägtes Sabbern gehört zum Alltag mit dieser Rasse.
- Tierarztkosten realistisch einplanen: Röntgenkontrollen der Hüften, kardiologische Vorsorgeuntersuchungen (u. a. auf Aortenstenose und Trikuspidalklappendysplasie) sowie ein möglicher Kaiserschnitt bei der Geburt gehören bei dieser Rasse häufiger zum Budget als bei unauffälligen Rassen.
- In mehreren Bundesländern/Kantonen gelistet: Haltungsauflagen vor Anschaffung prüfen (u. a. Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg als Kategorie 2, Vorarlberg bewilligungspflichtig, Tessin bewilligungspflichtig, Genf mit Haltungsverbot für Neuerwerb).
- Vor der Anschaffung lohnt sich ein Züchterbesuch mit Fokus auf offene Nasenlöcher, moderate Faltenbildung sowie dokumentierte Herz- und Hüftuntersuchungen der Elterntiere statt auf besonders extreme Kopfform.
Gesundheit: rassetypische Veranlagungen
Kein Einzeltier muss betroffen sein, aber du solltest sie kennen und beim Kennenlernen danach fragen.
- Brachyzephales Atemnotsyndrom (BOAS): Der kurzköpfige Schädelbau kann Atemgeräusche, eine eingeschränkte Hitze- und Belastungstoleranz sowie ein erhöhtes Narkoserisiko mit sich bringen.
- Erhöhte Prädisposition für Herzerkrankungen, insbesondere (Sub-)Aortenstenose und Trikuspidalklappendysplasie, laut mehreren tiermedizinischen Studien.
- Hohe Prävalenz von Hüftgelenksdysplasie (je nach Untersuchung rund ein Viertel bis knapp die Hälfte der Population betroffen).
- Hautfaltendermatitis an Kopf und Wamme durch die dicke, locker anliegende Haut, wenn die Falten nicht regelmäßig gepflegt werden.
- Erhöhte Rate an Kaiserschnittgeburten sowie überdurchschnittliche Welpensterblichkeit, wie sie bei mehreren großen, kurzköpfigen Molosserrassen dokumentiert ist.
Anschaffung, ehrlich eingeordnet
Bordeauxdogge hat keinen Preis. Eine seriöse Zucht hat Kosten, und die schützen den Hund.
Eine seriöse Zucht in Deutschland liegt meist grob zwischen 1.000 und 2.500 Euro.
Lele-Auswertung von 63 Rassen-Recherchen, Stand August 2026
Eine eigene Spanne führen wir für diese Rasse noch nicht. Lies einen Preis deshalb nie für sich allein, sondern im Gesamtbild: Gesundheitsnachweise der Elterntiere, Aufzucht mitten im Haus, ein Zuchtverein mit Regeln und ein Züchter, der dir selbst Fragen stellt.
Deutlich billiger
Das ist ein Warnsignal. Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere, Wurfabnahme, Impfungen und acht Wochen Aufzucht kosten Geld, und darunter geht es nicht. Wo es trotzdem billig ist, stehen fast immer Vermehrer dahinter.
Deutlich teurer
Das braucht eine nachvollziehbare Begründung. Eine seltene Farbe oder das Wort Rarität ist keine. Nachweise, ein Zuchtverein mit Regeln und eine Aufzucht, die du dir ansehen darfst, sind eine.
Im Tierheim gibt es keinen Kaufpreis, sondern eine Schutzgebühr. Sie deckt einen Teil dessen, was Kastration, Impfungen, Chip und Versorgung schon gekostet haben.
Mehr im Lele-Buch: Was kostet ein Hund wirklich?Mehr im Lele-Buch: Woran du seriöse Zucht erkennst
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