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Lele

Kapitel 108 Minuten

Die richtige Hundeschule finden

Eine gute Hundeschule verändert nicht nur deinen Hund, sondern vor allem dich. Eine schlechte kostet Geld, Zeit und im schlimmsten Fall das Vertrauen, das ihr gerade aufbaut. Der Unterschied ist beim ersten Besuch erkennbar, wenn du weißt, worauf du achtest.

Hundetrainer ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Die Erlaubnis nach Paragraf 11 schon.

Mensch beugt sich in einer Wiese zu einem hellen Hund hinunter, im Hintergrund blauer Himmel
Eine gute Stunde sieht meist unspektakulär aus: kurze Wege, ruhige Stimme, viel Lob

Die eine Frage, die eine verbindliche Antwort hat

Jeder darf sich Hundetrainer nennen. Es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung, keine Prüfungsordnung und keinen geschützten Titel. Wochenendkurse, Online-Diplome und selbst gebaute Zertifikate sehen deshalb oft aus wie ein Beleg und sind keiner.

Genau eine Sache prüft in Deutschland eine Behörde: die Erlaubnis nach Paragraf 11 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8 Buchstabe f Tierschutzgesetz. Wer gewerbsmäßig Hunde für andere ausbildet oder Halter dabei anleitet, braucht sie. Dafür müssen unter anderem Sachkunde und Zuverlässigkeit nachgewiesen werden. Ausgestellt wird sie von der zuständigen Behörde, meist dem Veterinäramt, und sie liegt als Bescheid vor.

Deshalb ist die wichtigste Frage bei jedem ersten Telefonat auch die kürzeste: Haben Sie die Erlaubnis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz, und darf ich sie sehen? Wer ausweicht, hat geantwortet.

Was das Gesetz verlangt

Drei Punkte, die nicht verhandelbar sind

  • Rechtlich verbindlich

    Die Erlaubnis nach Paragraf 11

    Wer gewerbsmäßig Hunde für andere ausbildet oder Halter dabei anleitet, braucht dafür die Erlaubnis der zuständigen Behörde. Sie ist der einzige Nachweis in diesem Beruf, den der Staat wirklich prüft. Frag danach, und lass sie dir zeigen.

    Paragraf 11 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8 Buchstabe f Tierschutzgesetz

  • Rechtlich verbindlich

    Keine Stromreizgeräte

    Das Tierschutzgesetz verbietet Geräte, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten erheblich einschränken oder ein Tier zur Bewegung zwingen und ihm dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Im Hundetraining haben solche Geräte damit nichts zu suchen.

    Paragraf 3 Nummer 11 Tierschutzgesetz

  • Rechtlich verbindlich

    Keine Stachelhalsbänder

    Seit Anfang 2022 steht es ausdrücklich in der Tierschutz-Hundeverordnung: Bei Ausbildung, Erziehung und Training sind Stachelhalsbänder und andere für Hunde schmerzhafte Mittel verboten. Das gilt auch dann, wenn jemand es Korrektur nennt.

    Paragraf 2 Absatz 5 Tierschutz-Hundeverordnung

Kleiner Hund sitzt aufmerksam am Bein seines Menschen und schaut zu ihm hoch
Aufmerksamkeit lässt sich nicht erzwingen, nur belohnen. Ein Hund, der von selbst hochschaut, hat gelernt, dass sich das lohnt.

Das Schaubild

Grüne Flaggen, rote Flaggen

Über dem Gesetz liegt eine zweite Ebene, die kein Amt prüft: wie gearbeitet wird. Links steht, was dich bleiben lässt. Rechts steht, was dich gehen lässt.

Hier bleibst du

  • Du darfst zuschauen, bevor du buchstEine Stunde am Rand sagt dir mehr als jede Website. Wer nichts zu verbergen hat, lässt dich zusehen, ohne dass du vorher zahlst.
  • Kleine Gruppen, sinnvoll sortiertHunde werden nach Größe, Alter und Temperament getrennt, und die Gruppe ist klein genug, dass jeder einmal drankommt. Ein Platz voller Hunde ohne Übersicht ist kein Training, sondern Betrieb.
  • Es wird erklärt, warumGute Trainerinnen sagen dir nicht nur, was du tun sollst, sondern warum es wirkt und woran du merkst, dass es zu viel wird. Du sollst es zu Hause allein können.
  • Ein Plan für deinen HundEin Ersthund mit Leinenproblem braucht etwas anderes als ein ängstlicher Hund aus dem Ausland. Wer beiden dasselbe Programm gibt, hat sich keinen von beiden angesehen.
  • Welpengruppen mit ruhiger LeitungDie sensible Phase für Sozialisierung liegt nach Einschätzung der amerikanischen Fachgesellschaft AVSAB zwischen der dritten und der vierzehnten Lebenswoche. Eine gute Welpenstunde nutzt sie und bricht ab, bevor ein Welpe überfordert ist. Ob und wann dein Welpe teilnehmen kann, klärst du mit deiner Tierärztin.
  • Mitgliedschaft in einem BerufsverbandBHV und IBH binden ihre Mitglieder an eigene Regeln, das IHK-Zertifikat wird von einer Kammer des öffentlichen Rechts getragen. Das sind gute Zeichen, aber Selbstverpflichtungen: Die Erlaubnis nach Paragraf 11 ersetzen sie nicht.
  • Verträge, aus denen du wieder rauskommstEinzelstunden oder kurze Kurse zum Ausprobieren, keine Jahrespakete gegen Vorkasse. Wer gut ist, muss dich nicht binden.

Hier gehst du besser wieder

  • Die Erlaubnis wird nicht gezeigtAusweichen, vertrösten oder ein Gegenangriff auf deine Frage: In allen drei Fällen hast du deine Antwort. Die Erlaubnis liegt in der Regel als Bescheid vor und lässt sich zeigen.
  • Gearbeitet wird mit Ruck, Schreck oder SchmerzWurfketten, Sprühhalsbänder, harte Leinenrucks, absichtliches Erschrecken. In einer Studie an 92 Hunden zeigten Tiere aus überwiegend aversiv arbeitenden Schulen mehr Stressverhalten und höhere Cortisol-Anstiege nach dem Training, und der Unterschied war auch außerhalb des Trainings messbar.
  • Eine Erklärung für allesWenn jedes Problem dieselbe Ursache hat, egal welcher Hund davorsteht, ist das keine Diagnose, sondern ein Textbaustein.
  • Erfolgsgarantie mit DatumKein seriöser Mensch verspricht dir, dass dein Hund in vier Wochen leinenführig ist. Lernen hat kein Lieferdatum.
  • Niemand bricht abEin Hund hechelt, gähnt, dreht sich weg oder erstarrt, und die Stunde läuft weiter. Wer diese Signale übersieht, übersieht sie auch bei deinem Hund.
  • Zuschauen ist nicht erwünschtManche Schulen nehmen Hunde ohne Halter mit aufs Gelände und geben sie trainiert zurück. Was dazwischen passiert, siehst du nie. Das ist kein Service, das ist eine Lücke.

Was die Forschung zu Methoden sagt

2020 verglich eine portugiesische Arbeitsgruppe 92 Begleithunde aus sieben Hundeschulen: drei arbeiteten belohnungsbasiert, zwei mit geringem und zwei mit hohem Anteil aversiver Methoden. Gemessen wurde per Videoanalyse während des Trainings, per Cortisol im Speichel und mit einem kognitiven Test außerhalb des Trainings.

Die Hunde aus den überwiegend aversiv arbeitenden Schulen zeigten mehr Stressverhalten wie Lippenlecken, Gähnen und Wegdrehen, häufiger eine angespannte Körperhaltung, vermehrtes Hecheln und höhere Cortisol-Anstiege nach dem Training. Im kognitiven Test antworteten sie pessimistischer als die Hunde aus den belohnungsbasierten Schulen. Der Unterschied endete also nicht mit der Trainingsstunde.

Für die Praxis brauchst du diese Studie streng genommen nicht. Die schmerzhaften Mittel sind ohnehin verboten. Sie erklärt aber, warum ein Training, das ohne Schreck auskommt, mehr ist als eine Geschmacksfrage.

Das erste Probetraining

Worauf du achtest, Schritt für Schritt

Geh einmal ohne Hund hin und schau zu. Eine Stunde am Rand sagt dir mehr als jede Website, wenn du in dieser Reihenfolge hinsiehst.

  1. Vorher

    Anrufen und fragen

    Wie groß sind die Gruppen? Darf ich einmal ohne Hund zuschauen? Und die eine Frage, die alles sortiert: Haben Sie die Erlaubnis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz?

  2. Beim Ankommen

    Auf den Platz schauen, nicht auf die Website

    Wie stehen die Hunde da, wenn sie ankommen? Gibt es Rückzugsraum, Schatten, Wasser? Ein Platz, auf dem alle Hunde bellen und ziehen, ist selten der Platz, auf dem deiner ruhig wird.

  3. Erste Minuten

    Wer wird zuerst gefragt

    Eine gute Stunde beginnt mit Fragen an dich: Was klappt zu Hause, was nicht, was habt ihr schon versucht, wie viel Zeit hast du wirklich. Wer sofort mit dem Hund arbeitet, ohne dich zu fragen, arbeitet an der falschen Stelle.

  4. Während des Trainings

    Auf die Hunde achten, nicht auf die Ansagen

    Hecheln, Gähnen, Lippenlecken, Wegdrehen, Erstarren. Diese Signale sagen dir, wie es den Hunden geht. Beobachte, ob jemand darauf reagiert und die Übung anpasst.

  5. Wenn etwas schiefgeht

    Was passiert im Fehlerfall

    Ein Hund macht es falsch. Wird die Aufgabe leichter gemacht, oder wird der Hund unangenehm berührt, angeschrien oder erschreckt? Das ist der Moment, in dem sich eine Hundeschule zeigt.

  6. Danach

    Nimmst du etwas mit nach Hause

    Weißt du nach der Stunde, was du diese Woche üben sollst, wie oft und woran du Fortschritt erkennst? Wenn ja, war es eine gute Stunde. Wenn nein, war es Unterhaltung.

Die Checkliste

Nimm das hier mit zum ersten Besuch

Zum Abhaken

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Mensch sitzt im Abendlicht auf einer Parkwiese, daneben streckt sich ein heller Hund an lockerer Leine
Der Alltag ist die eigentliche Prüfung. Zwischen Picknickdecken, Fahrrädern und fremden Hunden zeigt sich, was die Stunde wert war.

Welpengruppen: früh, aber ruhig

Als sensible Phase für Sozialisierung gilt die Zeit zwischen der dritten und der vierzehnten Lebenswoche. In dieser Zeit lernt ein Welpe leichter als je wieder, dass fremde Menschen, andere Hunde, Untergründe und Geräusche normal sind. Die amerikanische Fachgesellschaft AVSAB hält es deshalb für den fachlichen Standard, Welpen schon vor Abschluss der Grundimmunisierung zu sozialisieren, mit einem Mindestimpfschutz vor der ersten Stunde.

Eine gute Welpenstunde ist deshalb nicht die mit dem meisten Toben. Sie ist die, in der die Gruppe klein ist, nach Größe und Temperament getrennt wird, und in der jemand eingreift, bevor ein Welpe überfordert ist. Zwanzig Minuten ruhiges Kennenlernen sind mehr wert als eine Stunde Chaos, aus der ein ängstlicher Hund hervorgeht.

Von der Mutter getrennt werden dürfen Welpen in Deutschland ohnehin erst nach Vollendung der achten Lebenswoche. Warum das keine Formalie ist, steht im Kapitel Woran du seriöse Zucht erkennst.

Verbände, Zertifikate und ein Sonderfall

Zwei Berufsverbände sind in Deutschland verbreitet: der 1996 gegründete BHV und der 2009 gegründete IBH. Beide binden ihre Mitglieder an eigene Regeln zu Methoden und Weiterbildung. Der BHV bietet gemeinsam mit der IHK Potsdam ein Zertifikat an, das von einer Kammer des öffentlichen Rechts getragen wird. Das ist mehr als ein selbst gedrucktes Diplom und trotzdem etwas anderes als die Erlaubnis.

Ein Sonderfall ist Niedersachsen. Als einziges Bundesland verlangt es von allen Hundehaltern einen Sachkundenachweis, den sogenannten Hundeführerschein: den theoretischen Teil vor der Anschaffung, den praktischen Teil im ersten Jahr der Haltung. Abgenommen wird er von Stellen, die die Gemeinde anerkannt hat, häufig von Hundeschulen. Wie es bei dir konkret abläuft, sagt dir deine Gemeinde.

Häufige Fragen

Ist Hundetrainer ein geschützter Beruf?

Nein. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, und eine staatlich geregelte Ausbildung gibt es nicht. Was es gibt, ist die Erlaubnis nach Paragraf 11 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8 Buchstabe f Tierschutzgesetz: Wer gewerbsmäßig Hunde für Dritte ausbildet oder Halter dabei anleitet, braucht sie von der zuständigen Behörde. Das ist der einzige Nachweis in diesem Beruf, den eine Behörde prüft.

Sind Stachelhalsbänder und Stromreizgeräte verboten?

Die Tierschutz-Hundeverordnung verbietet es seit Anfang 2022 ausdrücklich, bei Ausbildung, Erziehung oder Training von Hunden Stachelhalsbänder oder andere für Hunde schmerzhafte Mittel zu verwenden (Paragraf 2 Absatz 5). Das Tierschutzgesetz verbietet in Paragraf 3 Nummer 11 Geräte, die durch direkte Stromeinwirkung das artgemäße Verhalten eines Tieres erheblich einschränken oder es zur Bewegung zwingen und ihm dadurch nicht unerhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Wer im Hundetraining damit arbeitet, verstößt dagegen.

Ab wann darf mein Welpe in die Welpengruppe?

Das klärst du mit deiner Tierarztpraxis, weil es am Impfstatus hängt. Fachlich gilt die Zeit zwischen der dritten und der vierzehnten Lebenswoche als sensible Phase für Sozialisierung; die amerikanische Fachgesellschaft AVSAB empfiehlt deshalb, Welpen schon vor Abschluss der Grundimmunisierung sozialisieren zu lassen, mit einem Mindestimpfschutz vor der ersten Stunde. Von der Mutter getrennt werden dürfen Welpen in Deutschland ohnehin erst nach Vollendung der achten Lebenswoche.

Brauche ich in Niedersachsen einen Hundeführerschein?

Niedersachsen verlangt als einziges Bundesland von allen Hundehaltern einen Sachkundenachweis: den theoretischen Teil vor der Anschaffung, den praktischen Teil im ersten Jahr der Haltung. Abgenommen wird er von Stellen, die die Gemeinde anerkannt hat, oft von Hundeschulen. Wie es bei dir konkret läuft, sagt dir deine Gemeinde.

Quellen

Weiter im Buch: Fütterung klärt die andere große Alltagsfrage, Den richtigen Tierarzt finden die dritte.

Trainierbarkeit steht in jedem Portrait

Wie leicht eine Rasse zu führen ist und ob sie sich für Anfänger eignet, findest du in jedem Rassenportrait bei Lele. Der Rassenfinder fragt deinen Alltag ab und zeigt dir, welche davon dazu passen.