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Lele

Brasilianischer Laufhund

Zäher Meutejäger mit sanftem Gemüt

auch bekannt als Rastreador Brasileiro, Brazilian Tracker

groß (L)Brasilien
Brasilianischer Laufhund mit dreifarbiger Zeichnung an einem See
Brasilianischer Laufhund zu HauseFoto: Gilson MACEDO · CC BY-SA 4.0

Steckbrief

Größe
groß (L), 56 bis 65 cm Schulterhöhe
Gewicht
typisch 21 bis 33 kg
Lebenserwartung
typisch 10 bis 13 JahreRichtwert für die Rasse, das einzelne Tier kann deutlich abweichen.
Verfügbarkeit in Deutschland
kaum zu bekommenStufe 1 von 5Keine VDH-Zucht in Deutschland, Bezug meist nur über Import
Fell
Kurzhaar, Kurzes, dichtes, eng anliegendes Fell mit wenig Pflegeaufwand: gelegentliches Buersten genuegt, die langen Haengeohren sollten regelmaessig auf Rötung oder Geruch kontrolliert werden.
Herkunft
Brasilien
Anerkennung
FCI-Gruppe 6 (Lauf- und Schweißhunde), Standard Nr. 275

Charakter im Überblick

14 Werte aus unserer Redaktion, je 1 bis 5. Hohle Punkte heißen: Die Quellenlage ist dünner, der Wert bleibt eine vorsichtige Einschätzung.

Energielevel
lebhaft, viel Energie (4 von 5)
Bewegungsbedarf
braucht sehr viel Bewegung/Auslastung (5 von 5)
Trainierbarkeit
eigenständig, braucht viel Geduld (2 von 5, Tendenzwert)
Alleinbleiben
bleibt mit Training einige Zeit allein (3 von 5, Tendenzwert)
Bellfreude
bellt sehr häufig (5 von 5)
Pflegeaufwand
geringer Pflegeaufwand (2 von 5)
Haaren
haart mäßig (3 von 5, Tendenzwert)
Offenheit gegenüber Fremden
abwartend, taut mit der Zeit auf (3 von 5, Tendenzwert)
Verträglichkeit mit Hunden
gut verträglich mit anderen Hunden (4 von 5)
Verträglichkeit mit Katzen
eingeschränkt verträglich mit Katzen (2 von 5, Tendenzwert)
Familien-Eignung
bedingt geeignet für Familien (2 von 5, Tendenzwert)
Wach- und Schutztrieb
geringer Wach-/Schutztrieb (2 von 5, Tendenzwert)
Jagdtrieb
sehr ausgeprägter Jagdtrieb (5 von 5)
Anfänger-Eignung
eher ungeeignet für Anfänger (1 von 5)

Der Charakter: Brasilianischer Laufhund im Porträt

Der Brasilianische Laufhund (Rastreador Brasileiro) wurde Mitte des 20. Jahrhunderts vom brasilianischen Züchter Osvaldo Aranha Filho aus dem Amerikanischen Foxhound und weiteren nordamerikanischen Meutehunden entwickelt, um an das raue Klima und Terrain des brasilianischen Hinterlands angepasst zu sein. Die Rasse geht auf den alten Urrador Brasileiro (Brasilianischer Heuler) zurück und wurde 1967 von der FCI anerkannt, geriet in den 1970er Jahren durch eine Zeckenkrankheit fast in Vergessenheit und wurde erst um die Jahrtausendwende in Brasilien wieder aufgebaut. Bis heute wird sie fast ausschließlich in ländlichen Regionen Nordbrasiliens zur Jagd auf Wild geführt. Laut FCI-Standard ist der Brasilianische Laufhund stark, rustikal, freundlich und lebhaft, jedoch nicht aggressiv, mit ausgeprägtem Geruchssinn und Jagdinstinkt. Er gilt als ruhig und ausgewogen, seinem Menschen sehr zugetan, selbstbewusst und gelehrig, aber nicht scheu. Diese Ruhe ist Teil seines Arbeitsauftrags: In Paaren, Trios oder ganzen Meuten jagt er ausdauernd und stundenlang bei hohen Temperaturen durch schwieriges Gelände, weshalb Bewegungsbedarf und Jagdtrieb entsprechend hoch ausfallen. Sein namensgebender lauter Spürlaut beim Verfolgen einer Fährte macht ihn zu einem Hund, der sich nicht leise halten lässt. Im Alltag braucht die Rasse viel Auslastung: lange Streckenläufe, Fährtenarbeit oder vergleichbare Nasenarbeit statt kurzer Gassirunden. Das kurze, dichte Fell ist pflegeleicht, die langen Hängeohren sollten aber regelmäßig kontrolliert werden. In Deutschland und Europa ist der Brasilianische Laufhund praktisch nicht verbreitet: Zuchtstätten gibt es fast ausschließlich in Brasilien, entsprechend bedeutet ein Interesse an dieser Rasse hierzulande in aller Regel Import, lange Wartezeiten und meist jagdlich geführte Linien statt eines fertigen Familienhund-Angebots. Die Rasse passt zu erfahrenen, jagdlich aktiven Haltern mit viel Platz und Zeit für ausdauernde Bewegung, nicht zu Ersthundehaltern oder reinen Stadtwohnungen. Für Wohnungshaltung ohne Jagd- oder Fährtenarbeit als Ausgleich ist sie ungeeignet, ebenso für Halter, die einen ruhigen, leisen Begleiter suchen.

Haltung im Alltag: gut zu wissen

  • Tägliches Bewegungspensum sollte deutlich über zwei Stunden liegen, idealerweise mit Fährten- oder Schleppleinenarbeit statt reiner Leinenführung: Die Rasse ist auf stundenlange Jagdläufe gezüchtet und unterfordert schnell auf reinen Spaziergängen.
  • In Deutschland gibt es keine etablierten Zuchtstätten. Interessierte müssen mit Import aus Brasilien, langen Wartezeiten und teils fehlender Ahnentafel-Dokumentation rechnen; ein persönlicher Kontakt zu brasilianischen Zuchtprogrammen vor der Anschaffung ist ratsam.
  • Der ausgeprägte Jagd- und Spürtrieb macht Zusammenleben mit Kleintieren und Katzen anspruchsvoll: Ein Kennenlernen unter kontrollierten Bedingungen und konsequentes Rückruftraining von klein auf sind wichtig.
  • Als lauter Meutehund mit kräftigem Spürlaut ist die Rasse für Reihenhaus- oder Mehrfamilienhaus-Nachbarschaften mit wenig Toleranz für Hundegebell eher ungeeignet.
  • Wegen der geringen Verbreitung und Zuchtbasis lohnt sich vor dem Kauf eine Prüfung, ob der Züchter auf Gesundheit und genetische Vielfalt achtet, um die kleine Population nicht zusätzlich zu belasten.

Gesundheit: rassetypische Veranlagungen

Kein Einzeltier muss betroffen sein, aber du solltest sie kennen und beim Kennenlernen danach fragen.

  • Zu rassespezifischen Erkrankungen liegen keine belastbaren veterinärmedizinischen Quellen vor; die Rasse ist ausserhalb Brasiliens zu selten für systematische Gesundheitsstudien.
  • Aus dem Körperbau abgeleitete Tendenz: Die langen, eng anliegenden Hängeohren begünstigen bei Laufhunden allgemein ein erhöhtes Risiko für Ohrentzündungen, wenn sie nicht regelmäßig kontrolliert werden.
  • Aus dem Körperbau abgeleitete Tendenz: Als grosser, tiefbrüstiger Laufhund fällt die Rasse in die Risikogruppe für Magendrehung, die bei grossen, tiefbrüstigen Hunden generell erhöht ist; mehrere kleinere Mahlzeiten statt einer grossen gelten als vorbeugende Massnahme.

Anschaffung, ehrlich eingeordnet

Brasilianischer Laufhund hat keinen Preis. Eine seriöse Zucht hat Kosten, und die schützen den Hund.

Eine seriöse Zucht in Deutschland liegt meist grob zwischen 1.000 und 2.500 Euro.

Lele-Auswertung von 63 Rassen-Recherchen, Stand August 2026

Eine eigene Spanne führen wir für diese Rasse noch nicht. Lies einen Preis deshalb nie für sich allein, sondern im Gesamtbild: Gesundheitsnachweise der Elterntiere, Aufzucht mitten im Haus, ein Zuchtverein mit Regeln und ein Züchter, der dir selbst Fragen stellt.

Deutlich billiger

Das ist ein Warnsignal. Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere, Wurfabnahme, Impfungen und acht Wochen Aufzucht kosten Geld, und darunter geht es nicht. Wo es trotzdem billig ist, stehen fast immer Vermehrer dahinter.

Deutlich teurer

Das braucht eine nachvollziehbare Begründung. Eine seltene Farbe oder das Wort Rarität ist keine. Nachweise, ein Zuchtverein mit Regeln und eine Aufzucht, die du dir ansehen darfst, sind eine.

Im Tierheim gibt es keinen Kaufpreis, sondern eine Schutzgebühr. Sie deckt einen Teil dessen, was Kastration, Impfungen, Chip und Versorgung schon gekostet haben.

Mehr im Lele-Buch: Was kostet ein Hund wirklich?Mehr im Lele-Buch: Woran du seriöse Zucht erkennst

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