Zum Inhalt springen
Lele

Abruzzen-Maremmen-Schäferhund

Unabhängiger Herdenwächter mit eigenem Kopf

auch bekannt als Maremma, Maremmano-Abruzzese, Cane da Pastore Maremmano-Abruzzese

sehr groß (XL)Italien
Abruzzen-Maremmen-Schäferhund steht am Strand, weißes Fell, natürliche Ohren und Rute.
Abruzzen-Maremmen-Schäferhund im PorträtFoto: Casabianca06 · CC BY-SA 3.0

Steckbrief

Größe
sehr groß (XL), 62 bis 74 cm Schulterhöhe
Gewicht
typisch 35 bis 52 kg
Lebenserwartung
typisch 11 bis 13 JahreRichtwert für die Rasse, das einzelne Tier kann deutlich abweichen.
Verfügbarkeit in Deutschland
kaum zu bekommenStufe 1 von 5Keine VDH-Zucht in Deutschland, Bezug meist nur über Import
Fell
Stockhaar
Herkunft
Italien
Anerkennung
FCI-Gruppe 1 (Hüte- und Treibhunde), Standard Nr. 201

Charakter im Überblick

14 Werte aus unserer Redaktion, je 1 bis 5. Hohle Punkte heißen: Die Quellenlage ist dünner, der Wert bleibt eine vorsichtige Einschätzung.

Energielevel
eher ruhig (2 von 5, Tendenzwert)
Bewegungsbedarf
braucht viel Bewegung (4 von 5)
Trainierbarkeit
eigenständig, braucht viel Geduld (2 von 5)
Alleinbleiben
bleibt meist gut einige Stunden allein (4 von 5)
Bellfreude
bellt sehr häufig (5 von 5)
Pflegeaufwand
mittlerer Pflegeaufwand (3 von 5)
Haaren
haart stark (4 von 5)
Offenheit gegenüber Fremden
zurückhaltend gegenüber Fremden (2 von 5)
Verträglichkeit mit Hunden
meist verträglich mit anderen Hunden (3 von 5, Tendenzwert)
Verträglichkeit mit Katzen
meist verträglich mit Katzen (3 von 5, Tendenzwert)
Familien-Eignung
mit Einschränkungen familientauglich (3 von 5)
Wach- und Schutztrieb
sehr ausgeprägter Wach-/Schutztrieb (5 von 5)
Jagdtrieb
geringer Jagdtrieb (2 von 5, Tendenzwert)
Anfänger-Eignung
eher ungeeignet für Anfänger (1 von 5)

Der Charakter: Abruzzen-Maremmen-Schäferhund im Porträt

Der Abruzzen-Maremmen-Schäferhund stammt aus Mittelitalien: Er geht auf die Herdenschutzhunde der Abruzzen und der toskanisch-latinischen Maremma zurück, die über Jahrhunderte Schafherden vor Wölfen schützten. Erst durch die saisonale Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) nach 1860 vermischten sich beide ursprünglichen Linien zur heutigen Rasse. Bis heute wird er in Italien aktiv als Herdenschutzhund eingesetzt. Seine Zucht war nie auf Gehorsam gegenüber Menschen ausgerichtet, sondern auf eigenständiges Handeln fernab von Anweisungen. Genau das prägt sein Wesen: Er neigt zu großer Unabhängigkeit und einem gesunden Selbstbewusstsein, das schnell als Sturheit missverstanden wird. Fremden gegenüber verhält er sich im Durchschnitt reserviert bis misstrauisch und macht durch lautes, ausdauerndes Bellen früh auf sich aufmerksam: ein Wachtrieb, der tief in seiner ursprünglichen Aufgabe verwurzelt ist. Seiner Familie gegenüber zeigt er sich dagegen treu und beschützend, oft mit ruhiger, fast gelassener Präsenz im Haus, während er draußen sein Territorium im Blick behält. Im Alltag braucht dieser große, kräftige Hund vor allem Platz: Ein sicher eingezäuntes Grundstück ist ihm wichtiger als lange Laufrunden, auch wenn tägliche Bewegung und sinnvolle Beschäftigung dazugehören. Sein dichtes, langes Fell verlangt regelmäßige Pflege, besonders im saisonalen Fellwechsel. Erziehung gelingt eher über Konsequenz, Geduld und frühe, breite Sozialisierung als über klassischen Kommandogehorsam: ein Hund, der mitdenkt, aber selten blind folgt. Für erfahrene Halter mit Haus, eingezäuntem Grundstück und Interesse an einer eigenständigen, bodenständigen Persönlichkeit kann er ein loyaler Begleiter sein. Für Anfänger, reine Wohnungshaltung oder Menschen, die einen führigen, sportlich-verspielten Partner suchen, passt er in der Regel eher nicht: Sein ausgeprägter Wach- und Schutztrieb, seine Größe, seine Bellfreude gegenüber der Nachbarschaft und sein eigener Kopf verlangen Erfahrung und realistische Erwartungen an das, was ein Herdenschutzhund im Kern bleibt, auch als Familienhund.

Haltung im Alltag: gut zu wissen

  • Bewegung: kein Sportpartner-Pensum, aber täglich mehrere Stunden Zugang zu einem sicher eingezäunten, großen Grundstück sind wichtiger als reine Gassi-Kilometer. Der Hund patrouilliert von sich aus.
  • Alleinbleiben: als eigenständig arbeitender Wächter grundsätzlich nicht auf ständige Nähe angewiesen, reagiert bei Unterforderung oder reiner Wohnungshaltung aber eher mit ausdauerndem Bellen als mit klassischem Trennungsstress.
  • Fellpflege: dichtes, langes Fell mit ausgeprägtem saisonalem Fellwechsel im Frühjahr und Herbst. Mehrmals wöchentliches Bürsten ist nötig, in der Wechselzeit eher täglich, dafür kein Trimmen oder Scheren.
  • Tierarztkosten: als schwere Rasse bis rund 52 kg fallen Narkose-, Medikamenten- und Diagnostikkosten (z. B. Röntgen bei Verdacht auf Hüft- oder Ellbogendysplasie) spürbar höher aus als bei kleinen Rassen.
  • Nachbarschaft und Zaun: ausgeprägter Wach- und Bellinstinkt, auch nachts. Ein hoher, wirklich ausbruchsicherer Zaun und Toleranz in der Nachbarschaft gehören zur realistischen Planung dazu.
  • Kein gelisteter Hund: in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell auf keiner Rasseliste für als gefährlich eingestufte Hunde geführt. Unabhängig davon lohnt sich vor der Anschaffung ein Blick in lokale Hundehaltungsverordnungen wegen der reinen Größe/Gewichtsklasse.

Gesundheit: rassetypische Veranlagungen

Kein Einzeltier muss betroffen sein, aber du solltest sie kennen und beim Kennenlernen danach fragen.

  • Hüftgelenksdysplasie (HD): wie bei den meisten großwüchsigen, schweren Rassen ein Risikofaktor; Röntgen-Screening bei Zuchttieren ist bei seriösen Züchtern üblich.
  • Ellbogendysplasie (ED): ebenfalls im typischen Risikoprofil großer, schwerer Hunde.
  • Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus): erhöhtes Risiko durch die laut Rassestandard tiefe, geräumige Brust; mehrere kleine Mahlzeiten und Ruhe nach dem Fressen werden empfohlen.
  • Im Vergleich zu anderen Riesenrassen gilt die Rasse als robust und ursprünglich mit vergleichsweise wenigen rassespezifischen Erbkrankheiten. Der FCI-Standard verlangt ausdrücklich, nur funktional und klinisch gesunde Tiere zur Zucht einzusetzen.

Anschaffung, ehrlich eingeordnet

Abruzzen-Maremmen-Schäferhund hat keinen Preis. Eine seriöse Zucht hat Kosten, und die schützen den Hund.

Eine seriöse Zucht in Deutschland liegt meist grob zwischen 1.000 und 2.500 Euro.

Lele-Auswertung von 63 Rassen-Recherchen, Stand August 2026

Eine eigene Spanne führen wir für diese Rasse noch nicht. Lies einen Preis deshalb nie für sich allein, sondern im Gesamtbild: Gesundheitsnachweise der Elterntiere, Aufzucht mitten im Haus, ein Zuchtverein mit Regeln und ein Züchter, der dir selbst Fragen stellt.

Deutlich billiger

Das ist ein Warnsignal. Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere, Wurfabnahme, Impfungen und acht Wochen Aufzucht kosten Geld, und darunter geht es nicht. Wo es trotzdem billig ist, stehen fast immer Vermehrer dahinter.

Deutlich teurer

Das braucht eine nachvollziehbare Begründung. Eine seltene Farbe oder das Wort Rarität ist keine. Nachweise, ein Zuchtverein mit Regeln und eine Aufzucht, die du dir ansehen darfst, sind eine.

Im Tierheim gibt es keinen Kaufpreis, sondern eine Schutzgebühr. Sie deckt einen Teil dessen, was Kastration, Impfungen, Chip und Versorgung schon gekostet haben.

Mehr im Lele-Buch: Was kostet ein Hund wirklich?Mehr im Lele-Buch: Woran du seriöse Zucht erkennst

Ähnliche Rassen entdecken

Passt Abruzzen-Maremmen-Schäferhund zu dir?

Finde in drei Minuten heraus, ob diese Rasse zu deinem Alltag passt: ehrlich, kostenlos und ohne Anmeldung.