Kapitel 025 Minuten
Ein Hund hat keinen Preis
Über Hunde wird geredet wie über Autos: Welche Variante ist teurer, wo bekommt man sie günstiger, lohnt sich der Aufpreis. Dieses Kapitel macht das nicht mit. Es ist das kürzeste im Buch und das einzige ohne eine einzige Zahl.
Der Preis darf mitbestimmen, wann du dir einen Hund leisten kannst. Er darf nie mitbestimmen, welcher es wird.
Wir reden über ein Lebewesen
Ein Hund ist keine Anschaffung, die man nach dem besten Angebot sortiert. Er ist ein Lebewesen mit eigenen Bedürfnissen, das die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre bei dir wohnt und in dieser Zeit keine Wahl mehr hat. Du entscheidest hier für zwei, und nur einer von euch beiden kann die Entscheidung später noch einmal überdenken.
Deshalb funktioniert die Frage nach der günstigeren Rasse nicht. Sie stellt etwas nach vorn, das über euer Zusammenleben nichts aussagt, und schiebt das nach hinten, was alles entscheidet: wie dein Alltag aussieht, wie viel Zeit du wirklich hast, wie viel Erfahrung du mitbringst und wie viel Hund an einem müden Dienstagabend noch geht.
Geld gehört trotzdem dazu, und wir reden im Buch ausführlich darüber. Nur an einer anderen Stelle: nicht bei der Auswahl, sondern bei der Planung. Was ein Hund über ein Leben wirklich kostet, steht im Kapitel Was kostet ein Hund wirklich? Diese Rechnung machst du für dich, ehrlich und einmal komplett. Und dann legst du sie beiseite und suchst nicht nach dem günstigsten Hund, sondern nach dem, der zu dir passt.
Die andere Rechnung
Es gibt eine Rechnung, die niemand ausdruckt
Sie sieht aus wie eine Rechnung, sie hat Positionen und eine Summenzeile. Nur steht in der rechten Spalte kein Betrag. Wer diese Rechnung bezahlen kann, kann sich einen Hund leisten.
Was ein Hund wirklich kostet
- Der Weg am Morgen, bei jedem WetterJeden Tag, zwölf Jahre lang
- Die Wochen, in denen er lernt, dass er bleiben darfNicht verhandelbar
- Geduld an dem Tag, an dem er alles Gelernte vergisstMehr, als man vorher denkt
- Ein Umzug, ein Jobwechsel, ein schwerer MonatEr kommt mit
- Die Nacht vor einer DiagnoseSteht in keinem Vertrag
In dieser Rechnung steht kein einziger Euro. Sie ist trotzdem die vollständigere von beiden.
Die günstigere Rasse ist selten die günstigere
Wer nach dem Preis auswählt, landet fast zwangsläufig bei einer Rasse, die er sonst nicht gewählt hätte. Ein Hund, der für stundenlange Arbeit gezüchtet wurde, zieht in eine Wohnung, in der abends niemand mehr Kraft hat. Ein Fell, das alle paar Wochen in professionelle Hände gehört, zieht zu jemandem, der diese Termine nicht einplanen wollte. Keiner der beiden Hunde tut irgendetwas falsch. Sie wurden nur nach dem falschen Kriterium ausgesucht.
Und dann dreht sich die Rechnung um. Aus der gesparten Summe am Anfang werden Trainingsstunden, Verhaltensberatung, Tierarztbesuche, die aus Dauerstress entstehen, und Betreuung, die vorher nicht eingeplant war. Das ist die eine Währung. Die andere sind Abende mit schlechtem Gewissen, ein Hund, der nicht zur Ruhe kommt, und im schlimmsten Fall ein Anruf beim Tierheim.
Es gibt einen Weg, das vorher zu klären, und er kostet nichts: Frag zuerst nach deinem Alltag und erst danach nach der Rasse. Genau das macht der Rassenfinder. Er fragt dich aus, nicht den Markt.
Die eine gute Preisfrage
Kann mir der Züchter den Preis begründen?
Es gibt genau einen Moment, in dem der Preis doch eine Rolle spielt, und es ist nicht der Vergleich zwischen zwei Rassen. Es ist die Frage an einen einzelnen Menschen, der dir einen Welpen anbietet. Nicht wie viel. Wofür.
Die Untersuchungen der Elterntiere
Je nach Rasse Röntgen von Hüfte und Ellenbogen, augenärztliche Untersuchung, Herzuntersuchung, Gentests auf die Krankheiten, die in dieser Rasse dokumentiert sind. Das alles fällt an, bevor der erste Welpe geboren ist, und es fällt auch dann an, wenn ein Wurf am Ende ausbleibt.
Verein, Zuchtordnung und Auflagen
Mitgliedschaft, Zwingerschutz, Wurfabnahme durch einen Zuchtwart, Mindestalter der Hündin, Wurfpausen, Papiere. Das kostet Geld und begrenzt zugleich, wie oft überhaupt gezüchtet werden darf. Beides gehört zusammen.
Die Aufzucht selbst
Die Wochen im Haus, das Futter der säugenden Hündin, die Sozialisierung mit Geräuschen, Menschen und Alltag. Der größte Posten ist hier Zeit, und genau der taucht auf keiner Quittung auf. Welpen dürfen nach der Tierschutz-Hundeverordnung ohnehin erst nach der achten Lebenswoche von der Mutter getrennt werden.
Die tierärztliche Erstversorgung
Untersuchung, Impfungen, mehrfache Entwurmung, Mikrochip und die Papiere, in denen all das eingetragen ist. Ein Welpe wird in diesen Wochen nicht nur größer, er wird mehrfach in einer Praxis vorgestellt.
Wer diese vier Antworten geben kann, hat einen Preis. Wer ausweicht, das Thema wegwischt oder dir erklärt, dass er eben so gefragt sei, hat nur einen Betrag. Und die Frage gilt in beide Richtungen: Auch ein auffällig niedriger Preis muss sich erklären lassen. Bei Untersuchungen, Aufzucht und tierärztlicher Versorgung spart man nicht, ohne dass es jemand merkt. Man spart es nur an dem Welpen.
Warum wir dir hier keine Preisspanne aus dem Netz mitgeben: Uns ist bei der Durchsicht der gängigen deutschen Ratgeberseiten aufgefallen, dass die dort genannten Beträge über rund zehn Jahre nahezu unverändert weitergereicht werden, obwohl in dieser Zeit nachweislich ein Nachfrageboom lag. Diese Seiten schreiben einander fort. Als Vergleichsmaßstab taugen sie deshalb nicht, und die Frage nach der Begründung bleibt die einzige, die dir wirklich hilft.
Teuer heißt nicht gut
Der zweite Irrtum ist der bequemere: dass ein hoher Preis schon irgendwie für Qualität bürgt. Tut er nicht. Aufschläge für eine seltene Farbe, für ein besonderes Fellmuster oder für eine besonders kleine Variante kaufen keinen gesünderen Hund. Sie bezahlen ein Merkmal, das gerade gefragt ist.
Oft bezahlen sie sogar das Gegenteil. Wo Aussehen den Preis macht, wird auf Aussehen selektiert, und mehrere der Merkmale, die als besonders gehandelt werden, hängen mit gesundheitlichen Problemen zusammen. Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes verbietet deshalb Zuchtvorhaben, bei denen absehbar Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich sind oder bei denen Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Welche Veranlagungen bei welcher Rasse dokumentiert sind, steht im Kapitel über Erbkrankheiten und Gentests.
Der Satz, der von diesem Kapitel übrig bleiben soll, ist deshalb dieser: Ein Preis ohne Begründung ist ein Warnsignal, egal in welche Richtung er zeigt. Und geprüft wird nie der Preis allein, sondern das Gesamtbild. Wie das geht, Punkt für Punkt, steht im Kapitel Woran du seriöse Zucht erkennst.
Quellen
- Trennung von der Mutter erst nach Vollendung der achten Lebenswoche, Paragraf 2 Absatz 4: Tierschutz-Hundeverordnung, Paragraf 2
- Verbot von Zuchtvorhaben mit absehbaren Schäden: Tierschutzgesetz, Paragraf 11b
- Auswahl nach Aussehen und Rassetrends statt danach, ob ein Hund in den Alltag passt: Holland 2019, Animals (Übersichtsarbeit)
Wofür wir hier bewusst keine Zahl nennen: Züchterpreise, Schutzgebühren und die Kosten einzelner Untersuchungen. Für Deutschland existiert keine Preiserhebung im Welpenhandel, und was die einzelnen Posten kosten, hängt an Rasse, Verein und Region. Was sich sagen lässt, ist, woraus ein Preis besteht, und genau das steht oben.
Erst herausfinden, wer zu dir passt
Der Rassenfinder fragt deinen Alltag ab, deine Zeit und deine Erfahrung, und sagt dir danach ehrlich, welche Rassen dazu passen und wo es bei jeder hakt. Über Preise redet er kein einziges Mal.
Weiter im Lele-Buch
- Welcher Hund passt zu mir?Die meistgestellte Frage vor dem ersten Hund. Warum die Rasse die falsche erste Antwort ist, was wirklich entscheidet und wie du es für dich herausfindest.
- Was kostet ein Hund wirklich?Schutzgebühr, Erstausstattung, laufende Kosten und die Rücklage für den Tag, an dem etwas passiert. Einmal ehrlich überschlagen, statt schön gerechnet.